Gyrðir Ellíasson: "Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft"
"Die Welt kann man immer verändern", lautet ein Schlüsselsatz in Gyrðir Elíassons "Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft". Ein Junge aus der unnachgiebigen isländischen Ödnis träumt sich darin in eine AnderweIt, wo "das Wetter warm, die Landschaft schön" ist. Doch Abgründe lauern selbst in Sigmars Wunderland, wo Füchse Tankstellen betreiben und Fledermäuse im Kino sitzen, "die Flügel umeinander geschlungen". Die Natur, mit der Sigmar in der Realität oft respektlos umging, hat hier offenbar zurückgeschlagen – die meisten Menschen sind "einen Kopf kürzer" gemacht worden: Der von Laura Jurt wunderschön illustrierte Kurzroman des gerade mit dem Literaturpreis des Nordischen Rats ausgezeichneten Isländers ist wahrlich kein Kinderbuch. Der junge Ich-Erzähler spricht wie ein hoch gebildeter Dichter. Das ereignislose Leben lässt ihn Geheimnisse allerorten suchen, auch wenn sie "ohne SchlüsseI" bleiben. Elíassons ins Absurde spielende Anti-"Toy Story", ursprünglich 1987 erschienen, ist ein fantasievoller Vorgeschmack auf die diesjährige Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Island. Zum Staunen und oft Zurückblättern.
Susanne Schütz
Die Rheinpfalz online
Artikel als PDF lesen