
Zugedröhnter Realismus
"Sick City" von Tony O'Neill
Die Geschichte ist ein Höllentrip durch Los Angeles, zieht hinein in einen Strudel aus Gewalt, Sex und Drogen in einem dreckigen, skrupellosen, zugedröhnten Amerika: In der Welt von Tony O'Neills Roman "Sick City" nimmt die Nacht kein Ende. Menschen irren als Fremde umher. In Wien hat O'Neill seinen ersten auf Deutsch erschienenen Roman präsentiert.
Auch in
Wien dreht sich das Rad von Prostitution und
Drogenhandel,
aber unaufgeregt. Die
Stadt wurde gerade wieder auf Platz zwei der lebenswertesten Städte weltweit gesetzt. "
Jede Stadt ist auf ihre Art '
krank'",
sagt O'Neill. "
Irgendwie muss man
raus und
das Übel finden. Los Angeles war
für mich immer eine sehr kranke Stadt.
Sie führt einen in die
Irre.
Ich fühlte mich immer wie in
einem David-Lynch-Film,
wie bei 'Blue Velvet'. An
der Oberfläche ist alles perfekt,
aber wenn du
durch die
falsche Tür marschierst,
bist du
plötzlich in den
heruntergekommensten,
schmierigsten Unterwelten. Das hat
mich immer fasziniert,
diese Städte in
einer Stadt."
Dabei erinnern die
Protagonisten eher an
Ungeziefer: "
Niemand mag
Kakerlaken",
schreibt O’Neill. "
Es sind die
stursten und
hartnäckigsten Scheißkerle, die
es gibt.
Aber ihr Überlebensinstinkt ist Wahnsinn." Und
irgendwie meint er auch sich. "
Meine Musikkarriere brach zusammen,
als ich drogenabhängig wurde",
sagt er. "
Ich wollte keine Musik mehr machen.
Ich war mental
fertig damit.
Ich sage
immer:
Meine erste Motivation
zu schreiben, war von
Anfang an und
ist es noch: Angst.
Es war die Angst
davor,
eines Tages tot
zu sein, und
nichts mit meiner Zeit angefangen zu haben."
Heute leben erstmals mehr Menschen in
Städten als auf dem Land. Die
gesellschaftliche Entwicklung ist eine urbane. Und
auch wenn das in "Sick City"
kaum durchscheint, O’Neill
sieht das durchaus positiv -
wenn er über die
politischen Verhältnisse in
Amerika nachdenkt. "
Vieles von
diesem konservativen Undenken,
wie dem der Tea-Party-Bewegung,
kommt von
Orten mit weißen Gartenzäunen",
sagt O'Neill. "
Es ist dieses Kleinstadt-Ding. Mir
macht das sehr viel mehr Angst
als Los Angeles
mit seinen Drogen und
Prostituierten."