Monsterzimmer

Island wird im Herbst das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse sein - so häufen sich schon im Vorfeld die Neuerscheinungen. Erfreulicherweise fördert ein Schwerpunkt wie dieser aber auch spannende Wiederentdeckungen ans Tageslicht. Der Zürcher Walde und Graf Verlag etwa stellt Gyrdir Eliassons tiefschwarze Kindergeschichte "Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft" nun erstmals auf Deutsch vor. Das Buch ist zwar schon 24 Jahre alt, wirkt in seiner radikalen Kinderperspektive dennoch ziemlich frisch. Ein kleiner Bub namens Sigmar beschreibt darin seinen einsamen Alltag und seine seltsamen Spiele auf einem Bauernhof. Als er eines Tages ein Eichhörnchen zeichnet, verwandelt er sich kurzerhand in ebendieses. Als Tier zieht er in die Stadt, geht ins Kino und durchlebt in diesem eher tristen Umfeld allerhand angstvolle Situationen: In der Badewanne etwa liegen abgesägte Menschenköpfe. Eliasson taucht tief in die Fantasiewelt eines störrischen, eigenwilligen Kindes ein - und legt mit seinem Buch eine elegante Angststudie vor, die man besser nicht vor dem Schlafegehen (vor)lesen sollte: "Das Zimmer ist auf einmal gedrängt voll mit Monstern ..."

Karin Cerny

 

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