von Wolfgang Fassbender
Leute, welche die kochende Meta Hiltebrand besser kennen als ich, raunen vom ungeheuren Selbstbewusstsein, das die junge Frau aufweisen soll. Ob diese Aussage der Wahrheit entspricht und ob ihre Eigenüberzeugungen von adäquatem Können unterfüttert sind, mussten bisher all jene entscheiden, die Meta schon mal als Störköchin gebucht oder in ihrem neuen Restaurant einen Tisch reserviert haben.
Jetzt allerdings kann man auch aus der Ferne nachprüfen, ob Meta mit den orangefarbenen Haaren ihren Job beherrscht. Das Büchlein, das sie verfasst hat, macht von aussen schon mal einen guten, farbigen, fröhlichen Eindruck, von innen eigentlich auch: Die Illustrationen von Jose Luis Garcia Lechner beweisen, dass ein Kochbuch nicht zwingend Speisenfotos braucht, um ansprechend zu wirken. (Über die Schrift kann man streiten.)
Die Rezepte wirken nicht allzu kompliziert. Brätkügelchen mit Dörrtomatenbekommt wohl jeder hin, das knusprige Crostini-Happening auch. EineKartoffelcremesuppe mit Lebkuchenschaum und Speckchips würde ich am liebsten auf der Stelle nachkochen und die Tomaten-Panna-cotta mit Kalbfleischspiesschen und Rosmarinöl folgen lassen. Anderes – dieKartoffelschwäne! – klingt ein bisschen nach Kindergeburtstag, was überhaupt nicht böse gemeint ist, sondern einen Vorzug dieses Büchleins beschreibt: Auch 14-Jährige können das meiste mühelos nacharbeiten, sofern ihnen einer zuvor erklärt hat, wie sie Gemüse rüsten und dass man Backformen auspinselt oder Backpapier nutzt, wenn später nicht alles kleben soll. (Achtung: Meta scheint Wert auf Einfachheit zu legen statt auf extrem detaillierte Anweisungen.) Auch Singles ohne nachhaltige Zubereitungserfahrungen werden glücklich sein – übrigens auch mit schmackigen Desserts à la Apfel-Honig-Tiramisu oder Schoko-Haselnuss-Cake. Wie ein Mürbeteigkörbchen gebacken wird, muss man halt anderswo nachschlagen. Und ob anschliessend alles so aussieht wie von Meta Hiltebrand erdacht, weiss natürlich keiner; macht aber auch nichts, weil ja keine Fotos da sind, mit denen man das eigene Ergebnis vergleichen könnte. Irgendwas Essbares sollte eigentlich immer dabei herauskommen… .
High-End-Esser, die hingegen extrem spannende Kombinationen nachlesen wollen, dürften eher enttäuscht sein. Als notorisch nörgeliger Food-Journalist mag man zudem die allzu reichliche Verwendung von weissem oder dunklem Balsamico beklagen – viele Rezepte sind eher süsslich angeschmeckt -, mag bei Trüffelöl die Nase rümpfen oder bedauern, dass nicht ein paar mehr Grundrezepte (Teig, Fond) und Erläuterungen (z.B. 7-Spice-Gewürzmischung) Eingang in den Text gefunden haben. Und was hat Kaltbach-Gruyère, was anderer Greyerzer nicht hat?
Aber das sind allenfalls kleine Schönheitsfehler, die einen nicht davon abhalten sollten, sich von diesem Buch inspirieren zu lassen. Und von der frischen Art einer jungen, engagierten und vor allem unkomplizierten Köchin.