Wir raten zu
Eine bekannte Indianerweisheit sagt: "Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet, das letzte Tier getötet ist, erst dann werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann". Wenige amerikanische Schriftsteller haben sich der indianischen Sicht der Dinge so angenommen wie Edward Abbey (1927 bis 1989). In seinem Kultroman Die Monkey Wrench Gang (zu Deutsch heißt das ungefähr die Schraubenschlüsselbande) aus dem Jahr 1975 schickt er vier uramerikanische Patrioten quer durch den amerikanischen Südwesten, um die Verwandlung ihrer Heimat in eine verkehrsgünstige Betonwüste mit Dynamit und Sabotageakten zumindest zu verlangsamen. Der sanfte Ökoterrorismus dieser sympathischen Truppe (ein Arzt, eine Romanistin, ein Vietnamveteran, ein Outdoor-Reisen-Veranstalter, die Gewalt nur gegen Ölbohrtürme, Schaufelbagger, Eisenbahnbrücken und dergleichen, aber niemals gegen Menschen ausübt, hat nicht nur viele bewundernde Leser, sondern auch ein paar Nachahmer gefunden. Der Roman war die Inspirationsquelle der radikalen Umweltschutzorganisation Earth first! und landete in einigen amerikanischen Bundesstaaten zunächst auf dem Index.
Nicht nur, weil wir wissen, dass die vier ihren aussichtslosen Kampf gegen die Welt der Planierraupen für immer verloren haben, sondern auch wegen des zu Herzen gehenden raubärtigen Sentimentalismus seines Autors muss man dieses Buch lieben und kann es so schnell nicht mehr vergessen. "Bald wird es keinen Ort mehr geben, wohin man gehen kann", heißt es darin einmal. Was dann bleibt, sind Bücher wie dieses, mit denen sich überleben lässt.
IRIS RADISCH
Edward Abbey: Die Monkey Wrench Gang
Illustriert von Robert Crumb; aus dem Engl. von Sabine Hedinger; Verlag Walde + Graf, Zürich 2010; 470 S., 24,95 €