Kultbuch: Am Sandfluss von Gyrðir Elíasson  

von Jessica Dahlke

Der isländische Roman „Am Sandfluss“ handelt vom einem geschiedenen Mann, der sich in ein kleines Waldstück zurückgezogen hat, um Bäume zu malen. Er ist dort, um sich selbst zu verstehen und bleibt sich doch immer fremd. Auf seiner Suche wählt er die Flucht vor den Menschen und Dingen, obwohl er weiß, dass er sich nur in Interaktion mit anderen finden kann. So bleibt für ihn am Ende nur der Tod in der klirrenden Kälte des isländischen Winters.

Gyrðir Elíasson ist Träger des Literaturpreises des Nordischen Rates 2011, der höchsten Literaturauszeichnung in Skandinavien und wenn man sein Buch „Am Sandfluss“ liest, versteht man die Meisterschaft seiner stillen, schlichten Poesie. Der Roman handelt von den letzten Tagen eines Mannes, der für seine Kunst alles verloren hat, was er besaß: seine Freunde, seine Familie und sich selbst. Elíasson gelingt es mit einer stillen und dennoch wunderschönen Atmosphäre dem Leser den Schwermut der Figur nahezubringen und gleichzeitig ihn in das grüne, aber auch vulkanische und raue Island zu entführen. Gemischt wird die Stille mit wunderlichen und gruseligen Vorzeichen, die den Mann bis zum Ende begleiten werden

Wer Elíassons Buch „Am Sandfluss“ liest, wird schnell merken, dass man beginnt über sich selbst nachzudenken und viel darin entdecken wird, was einen selbst betrifft. Das ist das wunderbare und bezaubernde an diesem Buch. Der Autor zwingt den Rezipienten nicht in die Geschichte, sondern lässt die Gedanken des Lesers um die Geschichte herum fließen, so als wäre man selbst ein Teil der Geschichte und wie ein Geist, begleitet man den Künstler an den Fluss, um vergeblich Fische zu fangen, riecht das Terpentin auf dem Rücksitz, wenn man mit ihm ins Dorf fährt und spürt den Kampf der eisigen Kälte des Winters, der außerhalb des Bauwagens regiert, mit der erstickenden Wärme der Ölheizung im Inneren.

Dazu kommt ein bescheidener und intelligenter Humor, der einen immer wieder zum Schmunzeln bringt. Ein Roman über den Sinn des Seins, die Symbiose mit der Natur und den Atem des Lebens. Perfekt für ruhige Herbsttage

Besprechung online lesen

 

Kult-Literaten Blog

NEWSLETTER

Success

Error

CANCEL