SonntagsZeitung, 30.10.11

Memoiren im Stil des Free Jazz

Was haben Lana Turner, weisse Socken und der Osterhase gemeinsam? Dass Joe Brainard (1942–1994) sich an sie erinnert. Der an Aids verstorbene US-Künstler hat seine Autobiografie in Form Hunderter Aperçus verfasst. Aus dieser Sammlung witziger, weiser und melancholischer Einträge über rohen Kuchenteig und Werbespots, über Träume und Erlebnisse ergibt sich das Bild eines sensiblen Menschen mit einem scharfen Blick für die Absurditäten seiner Zeit und seiner selbst. Evokativ, originell und mit einem Vorwort von Paul Auster: Memoiren im Stil des Free Jazz.  (ver)

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Die Welt, 2.11.11
 

Weiche Knie beim Erinnern

 
von Philipp Haibach

"Und soweit ich mich erinnere, wollte ich gar nicht mehr aufhören in diesem Büchlein des 1994 infolge einer Aids-Erkrankung verstorbenen New Yorker Künstlers Joe Brainard hin- und herzublättern. Ähnlich begeistert, so steht's im Vorwort, ist auch der US- Schriftsteller Paul Auster. Der könne sich nicht mal daran erinnern, wie oft er "I Remember" gelesen habe, schreibt er.

Mit den Worten "Ich erinnere mich" beginnt jede dieser fast 1500 kurzen Assoziationen. Das Buch bündelt auf atemberaubende Weise kollektive Erinnerungen (mit Ausnahme vielleicht der homosexuellen Praktiken), folgt dabei keinem Ordnungsprinzip. Alles flirrt wie in fiebrigen Fantasien durcheinander: Liebe, Familie, Essen, Kunst, Film, Literatur, Schule, der Körper, Partys, Träume."

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