von Harvey Pekar und Paul Buhle (Hg.)
Der kürzlich verstorbene, mit seiner "American Splendor"-Serie als Szenarist berühmt gewordene Harvey Pekar legt hier einen Sachcomic vor, den man als Einführung in den Themenkreis nur empfehlen kann.
Pekar ist gut informiert, und mit Unterstützung einiger Zeichner und noch ein paar weiterer Texter werden hier nicht hagiographisch, aber doch mitsichtlich viel Sympathie für die Protagonisten die Lebensgeschichten hinterden Büchern erzählt. Gut die Hälfte des Buches füllt das Dreigestirn Kerouac, Ginsberg, Burroughs. Mit Mut zur Lücke, griffig und kompakt skizziert Pekar ihre Vita und lässt auch die durchaus problematischen Seiten seiner Helden nicht unter den Tisch fallen. Dass er keine wirkliche Werkexegese liefern kann, stört nicht so sehr, eher schon ein paar Redundanzen. Da er sich um eine integrale Darstellung gedrückt und "The Beats" praktischerweise als Porträtgalerie angelegt hat, ist er gezwungen, wichtige Begebenheiten mehrmals zu erzählen. Die Lesung in der Six Gallery etwa, eine der Gründungsveranstaltungen der Beats, die Ginsberg sofort zum Star macht, wird zu so einer Art Refrain des Buches.
Fast noch interessanter ist die zweite Hälfte, in der sich Pekar und Kombattantenden weniger bekannten Beat-Kollaborateuren widmen. Ein paar Mal, wie bei Michael McClure und Philip Whalen, ist das zu oberflächlich. Aber wenn sich Pekar Raum nimmt, wie in dem Kapitel über den hierzulande wenig bekannten bzw. schon wieder halb vergessenen Prosa-Experimentalisten Kenneth Patchen, wo er das Curriculum kontrastiert mit sprechenden Werkzitaten, dann entstehen immer wieder plastische Lebensbilder.
von Frank Schäfer
Rolling Stone, Ausgabe 193, November 2010