Die Ästhetik des Abstossenden

von Michael Wiederstein

„... Selten hat Belletristik sich in einem Schweizer Verlag so ungeniert ehrlich gezeigt wie in diesem von Stephan Pörtner übersetzten dritten Roman Tony O’Neills. Eine klassische Milieustudie Hollywoods liefert der Reisser aber auch nicht. Von Nathanael Wests "Tag der Heuschrecke" ist das Buch nicht nur erzähltechnisch weit entfernt: fern der Filmstudios spielt hier die Musik. Im unklimatisierten Stundenhotel, in der Spelunke, auf dem Bordstein. O'Neill bedient sich der Halbweltmotive eines Elmore Leonard ("Get Shorty"), er literarisiert Versatzstücke des Fim Noir und der amerikanischen Graphic Novel – und ergänzt sie um semantische Anleihen beim Pop-Roman. Diese Mischung, eine clevere Rekombination bewährter filmischer wie literarischer Genres und Motive, erzeugt einen Strudel, der stilistisch und inhaltlich keineswegs platt daherkommt. Sein Kern: das rauschhafte Zelebrieren einer Ästhetik des Abstossenden, das für sich selbst stehen darf.

Selten wurde der Charme fast vergessener Genres so liebevoll in die Gegenwart portiertSelten lagen Film und Literatur geographisch wie literarisch so nah beieinander! ..."

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