Basler Zeitung vom 17. Dezember 2010
anekdoten
180 Kilo Orson Welles
R. Schnakenberg: "Die grossen Filmregisseure und ihre Geheimnisse". Walde+Graf 2010. 288 S., ca. Fr. 32.-
KINOWELT. Dass Charlie Chaplin 1915 bei einem Chaplin-Ähnlichkeitswettbewerb durchrasselte, ist heute vermutlich ebenso vergessen wie die Tatsache, dass drei seiner Ehefrauen bei der Heirat noch keine 17 waren. Dass Truffaut der Sohn einer Prostituierten, D.W. Griffith ein glühender Antisemit war, dass Francis Ford Coppola einen Softporno drehte, Orson Welles in seinen fettesten Zeiten 180 Kilo wog und Walt Disney Folterinstrumente sammelte, sind Dinge, die man nicht unbedingt wissen muss, nichtsdestotrotz gern liest. Diese und tausend andere komische oder skandalöse Geschichten wurden von Robert Schnakenberg zusammengetragen und von Mario Zucaa mit Witz bebildert. Ein weiterer originell editierter Leckerbissen aus dem Verlag Walde+Graf.
Alain Claude Sulzer
reisebuch
128 Seiten mit Schweizer Idyllen
Peter Graf: "Tour de Suisse. Eine nostalgische Reise zu den schönsten Plätzen der Schweiz", Walde+Graf 2010. 128 S., Fr. 68.-.
HEILE WELT. Die Basler, den Bayern nicht unähnlich, seien ein fröhliches Völkchen, was ihr Karneval beweise, während die Zürcher dem Vergnügen mit selbstgefälliger Befriedigung abgeschworen hätten, heisst es in den Texten aus alten Reiseführern, die schriftlich begleiten, was unser Auge nostalgisch geniesst: eine Reise durch eine heile Schweiz anhand alter Plakate, die von grafischen und illustratorischen Qualitäten zeugen, die den Vergleich mit ähnlichen Werken aus anderen europäischen Ländern nicht zu scheuen brauchen - und nicht nur dann, wenn sie von Cuno Amiet oder Alois Carigiet stammen. Arosa, St. Moritz, das Berner Oberland, Genf und Lausanne: Der umwerfend schöne Band zeigt idyllische Plätzchen und sucht ein ebensolches, eventuell sogar unterm Weihnachtsbaum.
Alain Claude Sulzer